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Zweites Leben für Altreifen

 

Etwa hundert Jahre dauert es, bis sich das Gummi eines Altreifens durch biologischen Abbau zersetzt. Schneller und zudem lohnender ist seine Umwandlung im polnischen Unternehmen ReOil: Dort wird aus zerkleinerten Gummireifen durch Pyrolyse Industrieruß und Pyrolyseöl gemacht.

Bei der Pyrolyse werden die langen, vernetzten Polymerketten, aus denen das Gummi der Reifen besteht, in kleinere Bruchstücke gespalten. Der Prozess findet bei hohen Temperaturen, aber – im Gegensatz zur Verbrennung – unter Ausschluss von Sauerstoff statt. Um eine unerwünschte Oxidation zu verhindern, wird die Pyrolyseanlage mit Stickstoff inertisiert.

Die Anlage von ReOil im polnischen Myślenice ist seit 2015 in Betrieb. Dort wird der Gummiabfall zunächst mechanisch zerkleinert. Der Stahldraht der Reifen wird dabei freigelegt und mit einem Magnetabscheider entfernt. Anschließend wird das Granulat durch eine Förderschnecke in einen kontinuierlich betriebenen Drehrohrofen eingefüllt. Um in der Anlage konstant für eine sauerstofffreie Atmosphäre zu sorgen, wird auch in die Schnecke gasförmiger Stickstoff von Messer eingeleitet. Bei etwa 400 Grad und unter Zugabe eines Katalysators wird der Gummiabfall im Röhrenofen aufgespalten. Bevor der Stickstoff anschließend in die Atmosphäre freigesetzt wird, befreit eine spezielle Filtereinheit das Gas von Verunreinigungen. Ruß und Öl werden zurückgehalten, die Recyclingprodukte getrennt und gereinigt.

Die Altreifen werden bei ReOil zu hundert Prozent wiederverwertet. Als Endprodukte entstehen dabei hauptsächlich der auch als Carbon Black bezeichnete Ruß sowie Pyrolyseöl und Stahldraht. Aus diesen Stoffen entstehen unter anderem wieder neue Autoreifen. Zudem werden sie für die Produktion von Schmiermitteln, Lacken, Kunststoffen und Druckfarben sowie in der Bauindustrie genutzt. Große Deponien, wie jene in Kuwait, bei der geschätzte sieben Millionen Altreifen im Wüstensand lagern, werden künftig nicht mehr gebraucht.

Autor: Dr. Michał Wróbel, Messer Polska